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Finanz- und Wirtschaftskrisen

Dienstag, 1. Juni 2010 10:32

Ich darf voraussetzen, daß jeder weiß, was wir unter „privater Marktwirtschaft“ verstehen. Ein anderer Begriff, der heute beinahe verpönt ist, ist schlicht „der Kapitalismus“. Einst, als er den Feudalismus ablöste, stand er für gesellschaftlichen Fortschritt und war stolz in aller Munde. Wenigstens das haben Kommunisten geschafft, daß dieser Name heute einen unangenehmen Beigeschmack hat, und aus diesem Grund vermieden wird. Wir erlebten auch, daß aus „privater Marktwirtschaft“ verbal die viel freundlicher klingende „soziale Marktwirtschaft“ wurde. Das alles sind lediglich Begriffe, die am Charakter des, nennen wir ihn künftig einfach wieder „Kapitalismus“ nichts ändern. Was wir heute erleben ist der Kapitalismus in seiner am weitesten entwickelten Form: der Imperialismus.

Krisen im Kapitalismus gibt es schon seit seinem Bestehen. Eine Krise ist eine „Zuspitzung“, eine „gefährliche Lage“ oder auch ein „Wendepunkt“. Sie kann, wie ein Gewitter, eine reinigende, regulierende, aber auch eine verheerend zerstörerische Wirkung haben. Je höher entwickelt der Kapitalismus, desto zerstörerischer wirken seine unvermeidlichen Krisen. Das sollten wir uns einprägen.

Jetzt brauchen wir nur noch zu erörtern:

  1. Was spitz sich warum zu?
  2. Warum und für wen wird die Lage gefährlich?
  3. Was ist der mögliche Wendepunkt?

und werden damit schnell der Sache auf den Grund gehen.

In der kapitalistischen Wirtschaft gibt es:

  • die Spekulationskrise
  • die Strukturkrise und
  • die Wirtschaftskrise

Alle sind eng miteinander verwoben und haben allesamt denselben Ursprung:

Das Streben nach immer mehr Geld (Profit) und damit nach Macht!

Kurioserweise ist das Streben nach Profit die Triebfeder der kapitalistischen Wirtschaft. Und doch wird diese anfangs Fortschritt und Entwicklung bringende Triebkraft zum größten Hemmnis des Kapitalismus selbst, weil sie stetig und zyklisch die Wirtschaft unvermeidlich in eine Sackgasse treibt, wo zerstört wird, was zuvor geschaffen wurde und damit sich selbst infrage stellt.

Was zunächst die Wirtschaft ankurbelt und Reichtum schafft wird zugleich zum größten Verderben der kapitalistischen Produktionsweise.

Das Streben nach Profit fordert eine Produktion, die möglichst große Gewinne abwirft. Die Produktion muß so organisiert sein, daß deren Produkte möglichst billig hergestellt werden, um sie billiger auf dem Markt anzubieten als alle anderen Produzenten = Unternehmer = Kapitalisten = Konkurrenten; nur so kann deren Absatz garantiert werden. Um einen maximalen Gewinn zu erwirtschaften und damit die Wirtschaft aufrechtzuerhalten und zusätzlich Geld anzuhäufen muß ein Unternehmer billiger produzieren als seine Konkurrenten, um die Produkte billiger und trotzdem gewinnbringend verkaufen zu können. Am besten wäre es, er schaltet alle Konkurrenten aus und beherrscht allein den Markt. Und genau das ist bei Strafe seines Unterganges die gesetzmäßig verankerte Pflicht eines jeden Unternehmers im Kapitalismus! Dieser Pflicht kann er sich nicht entziehen. Sie bestimmt sein ganzes Handeln.

In der heutigen Zeit kann ein Unternehmer nur minimal Geld einsparen durch bessere Technik, höhere Effektivität oder billigere Rohstoffe, sein Konkurrent verfügt über dieselbe technische Ausstattung, kauft auf demselben Markt ein. Lediglich kann er sich einen Preisvorteil beim Einkauf von Rohstoffen verschaffen über die Bestellmenge. Er wird folglich bestrebt sein, viel auf einmal einzukaufen, um ebenso viele Produkte zu erzeugen, die er dann aber auch auf dem Markt allesamt absetzen muß. Was heute die Produktionskosten entscheidend beeinflußt und das größte Einsparpotential enthält sind die Lohnkosten der Arbeiter und Angestellten. Gelingt es einem Unternehmer, seine Arbeiter und Angestellte länger arbeiten zu lassen, kann er auf ein paar von ihnen verzichten und diese entlassen. Außerdem kann ein Unternehmer enorm einsparen, indem er die Entlohnung so niedrig als irgend möglich gestaltet. Hat er das geschafft, wird er bald im eigenen Land marktführend sein und seine Konkurrenten geschwächt und schließlich ausgeschaltet haben. Noch mehr Produkte kann er absetzen, noch mehr Profit einfahren, wenn er auch international die Konkurrenz ausschaltet, auf dem Weltmarkt eine führende Position einnimmt. Das schafft er nach ganz genau demselben Prinzip.

Halten wir die zwei entscheidenden (stark vereinfacht dargestellten) vorteilbringenden Faktoren eines Unternehmens fest:

  1. Preisvorteil beim Einkauf von Rohstoffen über die Menge oder gar Eigentümer der Rohstoffe.
  2. Geringste Lohnkosten pro Produkt.

Was also geschieht zunächst? – Es wird produziert auf Teufel komm raus! Erst auf dem Markt, beim Absatz der Produkte wird sich der Erfolg oder Mißerfolg einstellen. Der Markt wird mit Produkten überschwemmt, die irgendwann nicht mehr absetzbar sind, weil deren Nachfrage gesättigt wurde. Der Unternehmer bleibt irgendwann auf seinen Produkten sitzen. Er wird zunächst die Produktion herunterfahren, einen Teil seiner angestellten Lohnarbeiter entlassen und zeitweise die Produktion gar gänzlich ruhen lassen. Das erleben wir hochaktuell in der hoch gepriesenen Kurzarbeit zur angeblichen Rettung von Unternehmen und damit Arbeitsplätzen. Das ist Augenwischerei! Kurzarbeit verzögert nur den Untergang eines Unternehmens, kann den Prozeß selbst nicht aufhalten.

Was sind also die Folgen dieser Überproduktion ? – eine Krise!

  • Steigende Arbeitslosigkeit
  • sinkende Löhne
  • Preisverfall und damit Wertverfall.

Nach demselben Muster verläuft es in der Finanzwelt: Kauf von Aktien und ganzer Unternehmen in möglichst riesigem Ausmaß mit möglichst marktbeherrschender Position, die nur über Geldvorteile, also Kapitalbesitz einzunehmen ist, um diese gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Gehandelt wird mit im Konkurrenzkampf geschwächten oder gar pleite gegangenen Unternehmen, deren technischer Ausrüstung und Absatz = Kunden. Alles kann man zu Geld machen – nur nicht die betroffenen Lohnarbeiter, die gerade ihren Job verloren haben. Die sind Abfall des beschriebenen Prozesses und häufen sich folglich auch an. – Das Heer der Arbeitslosen steigt unaufhörlich, weil die Zahl der Unternehmen stetig sinkt, die Produktion wird mit weniger Aufwand fortgesetzt, bis es nur noch einen oder verschwindend wenige, dafür immer riesigere Unternehmen gibt, die ein bestimmtes Produkt herstellen.

Endlich hat sich die Mühe des erbitterten Konkurrenzkampfes gelohnt: Jetzt, wo ein Unternehmen, das so riesig geworden ist, daß man es „Konzern“ nennt, den Markt beherrscht, kann er allein bestimmen zu welchem Preis die Produkte angeboten werden. Soziale Gefühle, das liegt wohl klar auf der Hand, wären fehl am Platz und gar tödlich. Ziel wird es sein, die Preisschraube anzuheben, um immer mehr Geld aus der Produktion herauszuholen, als investiert wird. Bald werden unter dem Dach eines Konzerns mehrere Produkte produziert. Der Erfolg hält nicht lange an – es fehlt an Absatzmöglichkeiten, weil die Kaufkraft aufgrund der gestiegenen Arbeitslosigkeit enorm nachläßt. Wiederum wird das nur über einen Preis- und damit Werteverfall geregelt. Die Produktion wird unaufhörlich von einer Sackgasse zur nächsten geführt, stockt, um auf anderem Niveau wiederbelebt zu werden.

Jetzt geht es ums blanke Überleben der Konzerne – Ziel muß es sein, selbst Rohstoffe zu bergen und aufzubereiten, den internationalen Markt als Absatz der Produkte zu beherrschen. Freiwillig wird niemand seine Rohstoffe, seine Absatzmärkte aufgeben – für kein Geld der Welt! Also muß man sich mit Gewalt holen, muß man sich mit Gewalt aneignen, was man nicht kaufen kann – es wird Krieg geführt – Irak, Afghanistan und streckt bereits die Fühler aus nach Iran.

In der weiteren Entwicklung werden sich nicht mehr Konzerne im Konkurrenzkampf gegenüberstehen, sondern Staaten – immer nach derselben beschriebenen Hackordnung. Da sind wir gerade in der Entwicklung angelangt. Wo früher starke Konzerne zunächst schwächere beseitigten, um sich dann gegenseitig auszuschalten, stehen heute die Interessen einzelner Staaten mit bestimmten politischen Zielen, die diktiert werden von den Konzernen und Finanzhaien. Kapitalismus und Imperialismus sind nichts anderes als die Diktatur des Geldes. Wo Konzerne an ihrer Grenzen stoßen, müssen Politiker den Boden zur Fortführung des Konkurrenzkampfes bereiten, mit allen verfügbaren Mitteln: auch mit Krieg. Gerade erleben wir, wie sich die wirtschaftlich stärkeren Staaten wie Deutschland und Frankreich zusammenschließen, um z.B. Griechenland, später Portugal oder Irland in die Knie zu zwingen. Die Wirtschafts- und Finanzriesen haben längst internationale Interessen angemeldet – immer dem Zwang folgend: Profit anzuhäufen und sich eine Vormachtstellung zu sichern.

Die Folge von all dieser Entwicklung ist auf der anderen Seite: ein riesiges Heer Arbeitsloser, unter Kriegen leidende Völker, Hunger und Not. Diese Unzufriedenheit steigt so an, daß sie bald nicht mehr zu beherrschen ist. Ist die Krise groß genug, daß sie die Form eine Weltwirtschaftskrise (Finanzkrise inbegriffen) annimmt, Kriege auf der Welt toben, ist der Kapitalismus an einem möglichen Wendepunkt angelangt. Nur wenn sich das Heer der Arbeitslosen und notleidenden Bevölkerung seiner Kraft besinnt wird diese Situation in einen Aufstand, eine Revolution münden, die allein dieses marode System des Kapitalismus, der sich durch seine ihm innewohnenden Gesetze selbst zerstören muß, endlich überwinden kann.

Besinnen sie sich nicht, wird der Prozeß auf höherem, weit verheerenderem Niveau von Neuem beginnen und in eine noch größere Krise eines bis dahin ungekannten Ausmaßes, eventuell in die Vernichtung unseres Lebensraumes, der Erde, münden.

So, wie die Konzerne immer mehr internationalen Charakter annehmen,
sollte, nein *MUSS* auch die kommunistische Bewegung internationalen
Charakter annehmen. Leider vermisse ich diese Entwicklung. Nicht nur
national findet man eine heillose Zersplitterung der Kommunisten, auch
international ist man sich höchst unein. Während die Kommunisten
streiten, welchen Weg man einschlägt, ob man nun Stalin ehren oder
verdammen sollte, welche Rolle Trotzki zuzuordnen sei, wie die DDR und
die Vernichtung des sozialistischen Lagers zu werten sei, sich am Thema
„Stasi“ brav entsprechend der Vorgaben der Medien aufreibt anstatt eine
klare Position zu beziehen, während die kommunistischen Parteien und
Gruppierungen das Trennende hervorkehren und keine Einheit finden,
können sie auch keinen Einfluß auf die Massen ausüben. Das ist eine
bittere Tatsache!
Vereint würden aus all den einzelnen Fingern eine kräftige Faust werden. Diese Faust brauchen wir heute!

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Aufruf an die Kommunistische Plattform der Partei „Die Linke“

Samstag, 24. April 2010 19:26

Sarah Wagenknecht gab ein Interview für Tagesschau interaktiv, das im Internet unter nachfolgendem Link anzusehen und ~hören ist:

http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll556.html

Ursprünglich schrieb ich an die Junge Welt (JW) und bat, diesen Aufruf als Leserbrief  zu veröffentlichen, leider vergeblich:

AUFRUF:

Ich rufe alle ehrlichen Kommunisten der kommunistischn Plattform der Partei „Die Linke“ auf, sich endlich von der sozialdemokratischen Partei „Die Linke“ zu trennen und sich damit von den Aussagen Sarah Wagenknechts in ihrem Tagesschau-Interview klar zu distanzieren und sich wirklichen Kommunisten anzuschließen. Diese Partei ist nicht links, war es nicht und wird es nicht werden! Diese Partei verfügt über keine kommunistische Plattform – sie mißbraucht nur den Namen „Kommunistisch“.

Ich war sehr geneigt, schon nach ein paar Sätzen des Interviews abzuschalten, habe aber widerwillig durchgehalten.

Da bezeichnet sich diese Person als „Kommunist“ und weiß gar nicht, was Kommunismus eigentlich ist!? Sie ist mit ihren Ansichten in der Sozialdemokratie „Die Linke“ richtig aufgehoben. Ich fordere: Sie darf sich nie wieder als Kommunist bezeichnen. Sie beleidigt und verunglimpft damit alle aufrichtigen Kommunisten! Wie kann ein Mensch nur derart seine Position ändern und sich zur Unkenntlichkeit anpassen? Menschen sind doch keine Chamäleon’s oder gibt es diese Spezies?

Stellt sich mir eine einzige Frage: Warum bleiben die Genossen der kommunistischen Plattform immernoch in dieser Partei, wo sie doch derart verraten und verkauft werden?

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Okkupation der DDR

Montag, 1. März 2010 15:20

Politiker und Medien hören nicht auf, die Geschichtsschreibung zu verfälschen. Was die Kinder schon heute in den Schulen erzählt bekommen, sind pure Lügen. Es gibt sogar Menschen, die selbst in der DDR gelebt haben und sich als willfährige Diener dieser Lügen anbieten – ich bin bereit Dein Lied zu singen, wenn ich dafür eine Gegenleistung erhalte. Solch niedere Geschöpfe der Menschheit gab und gibt es zu jeder Zeit, sind also nichts Neues.

Ich halte es für ein mehr als dummes Geschwätz, ernsthaft zu behaupten, die DDR sei an ihren eigenen Fehlern kaputtgegangen.  Oh je, was hierzulande, in der BRD, für Fehler gemacht werden, in Amerika und überall in allen Ländern der Welt – ist wohl der Untergang der DDR ein einzelnes, nicht wiederkehrendes Ereignis in der Menschheitsgeschichte.

Nachfolgende Gedanken sollen keinen Vergleich zweier konträrer Systeme darstellen – man kann einfach Äpfel nicht mit Pflaumen vergleichen. Ich möchte Anstoß zum Nachdenken geben. Ich erinnere mich an eine Situation kurz nach der Wende, als sich die erste Unsicherheit bezüglich Arbeitsplätzen breitmachte und Existenzängtse entstanden. Ich fragte sie, warum sie nicht wieder demonstrieren, da gaben sie mir zur Antwort: „Von diesem Staat erwarten wir nichts anderes, wir wissen, daß sich einzelne bereichern, das ist eben so. Ich konnte diese Antwort nie verstehen.

Fakt ist: in der DDR wurden von Anfang an Fehler gemacht, korrigiert und neue Fehler begangen. Jeder Mensch macht Fehler, lernt daraus, korrigiert und macht doch wieder welche.

Fakt ist weiter: es gab Unzulänglichkeiten in der Wirtschaft, es gab Schönrederei, es gab Pflichtveranstaltungen, wo alle dazu aufgerufen waren, den Prozessen in der DDR zuzujubeln.

Fakt ist: Staaten, die aus dem kapitalistischen System ausbrachen waren automatisch einer tagtäglichen besonderen Gefahr ausgesetzt. Sie waren ein Dorn in den Augen der kapitalistischen Staatengemeinschaft, die Vernichtung der sozialistischen Länder stand ganz zu oberst auf deren Fahnen – die DDR war der erklärte Feind Nummer 1 der BRD. Noch weitergehend wurde man nicht müde in der BRD davon zu sprechen, daß das Grundgesetz für jeden DDR – Bürger gleichermaßen Gültigkeit besitze. Ein Staat, der sich permanenten Angriffen auf seine Autorität gegenübersieht, muß sich zwangsläufig schützen und verteidigen. Er braucht bewaffnete Organe, die seine Grenzen schützen und Sicherheitskräfte, die ein Unterwandern von innen verhindern sollen.

Jeder Staat verfügt über Armee und Sicherheitskräfte in Form von Geheimdiensten. Geheimsdienste werden auch innerhalb der kaptitalistischen Länder eingesetzt, weil man trotz NATO-Bündnis einander nicht über den Weg traut. Es ist also keine Besonderheit der DDR, daß sie über eine Staastsicherheit verfügte.

Fakt ist außerdem: wenn ein sozialistischer Staat entsteht, sind nicht automatisch alle Menschen, die in diesem Staat leben, von der Idee des Sozialismus beseelt. Auch im inneren der DDR gab es Menschengruppen, die mit dieser Entwicklung nicht einverstanden waren.

Wie habe ich die DDR erlebt? Ich habe mich wohlgefühlt, hatte ein unbeschwertes Leben.  Die Menschen im Arbeitsprzeß bildeten eine Gemeinschaft, Solidarverhalten war stark ausgeprägt. Gegenseitige Hilfe gab es bis ins Privatleben hinein. Ich war alleinerziehende Mutter. Meine Kinder wurden gut in Kindergarten und Schule betreut, ich hatte zu keinem Zeitpunkt meines Lebens in der DDR Existenzängste (wohl aber nach der „Wende“), konnte sogar jedes Jahr Urlaub mit meinen Kindern machen. Natürlich war ich genau solchen Vorurteilen ausgeliefert, wie sie heute gegenüber alleinerziehenden Müttern bestehen. Das Gedankengut in den Köpfen der Menschen hält sich mitunter erstaunlich lange. Aber: ich fühlte mich zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Form diskriminiert (wie es heute Frauen gegenüber, besonders alleinerziehnden Müttern, geschieht)!

Man lachte gemeinsam auch über  politische Witze, schimpfte über Privilegien, die Parteisekretäre, Betriebsdirektoren sowie die Partei- und Staatsführung für sich beanspruchten. Wir sagten dazu: „Alle Menschen sind gleich – manche sind gleicher“. Wir schimpften, wenn es bestimmte Artikel des täglichen Bedarfs nicht oder nur schwer zu kaufen gab. – Angesichts der Privilegien, die Politiker heute genießen, angesichts der Bereicherung der Industrie- und Finanzbosse auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung, waren die Privilegien in der DDR ein Witz! – Nicht miteinander vergleichbar!

Welche Privilegien waren das in der DDR? -ein Betriebsdirektor oder Parteifunktionär mußte nicht so lange auf ein Auto warten, erhielt bevorzugt eine Neubauwohnung (in der heute z.B. niemand mehr wohnen möchte), erhielt im Laden ein Stück Räucheraal, ein paar Bananen mehr als andere oder erstand tatsächlich die begehrte Schlagbohrmaschine u.a.m. Ein paar von ihnen waren noch privilegierter – die durften in Länder reisen, die für die normale Bevölkerung tabu waren. Darauf beschränkten sich schon die Privilegien weitreichend.- Und heute? – vollgestopfte Läden mit Waren deren Bedarf nicht immer dem Prüfstand standhält, Reisemöglichkeiten, wohin man will. ABER: Wer kann sich das alles leisten? Kann sich jeder das begehrte Auto kaufen? Kann heute jeder eine Reise auf die Malediven, nach Florida, Neuseeland oder Südafrika finanzieren? Kann sich überhaupt jede Familie heute Urlaub auch nur innerhalb des Landes leisten? Kann sich überhaupt jeder Essen und Kleidung in dem Maße leisten, wie es notwendig wäre?

Was stand dem gegenüber? Ein gesichertes Leben, Arbeit für alle, auch wenn man so manchen Arbeitsplatz hätte einsparen können, war das doch ein wichtiger Faktor, nicht aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein.  Jeder hatte soviel Einkommen, daß er genug zu Essen und zu trinken hatte, Obst und Gemüse nur während deren Saison, dafür war es reif und aromatisch! Jeder hatte eine Wohnung, wenn auch nicht immer so komfortabel, wie gewünscht. Alle wurden in Schulen gleich behandelt, hatten gleiche Bildungschancen. Jeder konnte in den Urlaub fahren.

Was störte? Die SED mutierte zur Massenpartei. Möglichst alle Menschen sollten dieser Partei angehören. Damit verfügte man über ein gutes Mittel der Disziplinierung der Bevölkerung. Wer sich der Parteimitgliedschaft entzog oder gar offen gegen diese Partei und damit gegen den Staat auftrat, hatte wenig Chancen auf eine steile berufliche Karriere.  – Oh, was ist denn heute?  Wer kann denn heute Karriere machen, wenn er erklärter Staatsfeind ist? also nichts anderes!

Oft saßen in Entscheidungsgremien hochnäsige Leute, die mit den Menschen herablassend umgingen.  Ist es heute etwa anders? Es gab aber auch Funktionäre oder Führungskräfte, die sich für andere ehrlichen Herzens einsetzten, um zu helfen und dabei auf eigene Vorteile verzichteten. Oft liefen sie gegen Wände und äußerten Kritik an bürokratischen Vorgehnsweisen. Es ist allzu klar: wer offen an der existierenden Staatspolitik Kritik übt, macht auf sich aufmerksam als unbequemer, nörgelnder Mensch. Auch das ist heute nicht anders!

Je mehr sich die DDR Angriffen, Verleumdungen, Verunglimpfungen seitens der BRD ausgeliefert sah, desto mehr standen diese unbequemen Menschen in deren Beobachtung. Ist etwa das heute anders? – Mit Nichten!

Woran also ist die DDR kaputtgegangen? An den genannten (natürlich nicht vollständig) ganz normalen Unzulänglichkeiten? An einer Produktion, die sich durchaus im Weltmaßstab einen hohen Stellenwert erarbeitet hatte?

Wie schon erwähnt, da müßten ja heute reihenweise Staaten kaputtgehen an ihren maroden bestechlichen Staats- und Wirtschaftsgefügen.

Seit 1945 hatte die westliche Welt, allen voran die BRD das Ziel, die DDR und die anderen sozialistischen Staaten zu vernichten und linke Bewegungen in eigenen Ländern im Keime zu ersticken. Daraus machten sie zu keinem Zeitpunkt ein Geheimnis. Die Geheimdienste wurden gezielt geschult, kritsiche Menschen und solche, die erklärte Staatsgegner waren, in der DDR aufzuspüren und für sich zu gewinnen. Neben den normalen Geheimdiensten wurden eigens zur Vernichtung jeglicher linken Bewegung geheime Geheimarmeen innerhalb der NATO aufgebaut = die Stay-Behind-Armeen. Auch die reisten unter irgendwelchem Vorwand in die soz. Länder und rekrutierten dort willfährige Menschen für ihre Dienste. Dabei wurden genügend finanzielle Mittel, schier unerschöpfliche, zur Verfügung gestellt. 40 Jahre sind dafür eine lange Zeit, die intensiv genutzt wurde. Zeit, die ausreichte, genügend Gegenkräfte in den sozialistischen Ländern selbst zu organisieren.

Kein anderes Land der Welt würde sich so kampflos dem erklärten Klassengegner preisgeben, wie es 1989 die Regierung der DDR tat. Möglich war das nur, weil Menschen besitz- und machtgierig und damit käuflich sind. Sie mußten nur an den entscheidenden Stellen und in ausreichender Zahl rekrutiert werden.

Der entscheidende Faktor aller Gesellschaften ist der subjektive Faktor. Dieser entwicklet sich meist anders, unberechenbarer, als es objektive Rahmen vorsehen. Wer den subjektiven Faktor in seinen Plänen unterschätzt, muß das bitter bezahlen. Diese Lektion wurde nicht nur der DDR erteilt.

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das Grundübel der heutigen linken Bewegungen

Sonntag, 28. Februar 2010 19:37

Beim Lesen der „Niederlagenanalyse – Die Ursachen für den Sieg der Konterrevolution in Europa“ werde ich bei jeder Zeile unruhiger. Ich lese und denke: Das weiß ich doch längst! – Das ist genau das was ich ständig denke, sage oder schreibe! Ich bin bestimmt nicht arrogant oder überheblich bei diesen Gedanken, das war ich noch nie und werde es auch nie sein!

Wieder wird mir bewußt: Ich habe so viel theoretisches Wissen gepaart mit so viel praktischer Erfahrung, die einfach hier in mir schlummern und brachliegen, die ich aber nirgendwo nutzbringend anwenden könnte, weil mir dazu eine politische Palttform fehlt. Sooft ich danach gesucht habe, nach einer wirklich sozialistischen/kommunistischen Partei oder Organisation, war ich enttäuscht. Was mich stets abschreckt ist die Tatsache, daß alle erklären wollen, was Sozialismus wirklich ist. Niemand ist jedoch bereit, basierend auf einer wirklichen Analyse des Scheiterns z.B. der DDR und anderer soz. Länder sowie auf Analyse der real existierenden objektiven und subjektiven Voraussetzungen realsitische Tagesaufgaben inangriff zu nehmen. DDR? – dann wird abgewinkt – angefangen von: das war kein Sozialismus über: da wurde ja alles nur verkehrt gemacht bis hin zu: wir wollen ja nur soziale Verbesserungen, aber die Marktwirtschaft erhalten kommt mir so alles im sich links nennenden Spektrum vor.

Dabei bewegen sich die meisten linken Parteien, Gruppierungen in der Mitte – wollen sich in dieser Gesellschaftsordnung einrichten, soziale Reformen angehen, um das System für jede Bevölkerungsschicht erträglicher und ein bißchen gerechter zu machen.

Darin liegt das Grundübel der sogenannten Linken Bewegung in der Gegenwart. Zwar beruft man sich evtl. noch auf Marx, ist aber nicht in der Lage ihn tatsächlich auszuwerten. Unter „Auswertung“ verstehe ich dabei ihn zu studieren, zu verstehen und in die heutige Zeit zu übertragen. Die Entwicklung des Kapitalismus ist seit Marx enorm vorangeschritten, er zeigt sich facettenreicher, aber seinen Charakter hat er behalten. Geblieben ist auch, daß der Kapitalismus ihm innewohnende objektive Gesetzmäßigkeiten befolgen muß. Dabei steht an allererster Stelle: Profit!

Daß es in der BRD die so genannte „soziale Marktwirtschaft“ gab, hat objektive Ursachen, die sind der ehemaligen Existenz des sozialistischen Lagers zu verdanken, nicht aber etwa im „sozialen Charakter“ des Kapitalismus zu suchen. Vergessen wir nicht: DDR und BRD befanden sich beide an der unmittelbaren Grenze zwischen Kapitalismus westlich und Sozialismus östlich Europas. Beide mußten als Schaufenster der Systeme dienen. Vergleichsweise war der Lebensstandard in der DDR entsprechend höher als der z.B. in Rußland. Andererseits, und das ist aus heutiger Sicht, nämlich nach der von Stay-Behind-Armeen erfolgreich durchgeführten Vernichtung des Sozialismus in Europa, wesentlich entscheidender, war der Kapitalismus in der BRD nicht nur bereit, sondern auch gezwungen zu sozialen Reformen. Ohne die Existenz sozialistischer Länder wäre der Lebensstandard in der BRD wesentlich geringer gewesen, die Arbeitslosenrate höher, die Gehälter niedriger, hätte es keine Gesundheitsreformen im positiven Sinn gegeben, wären mehr Schulen und Universitäten kostenpflichtig usw. usf. Nur durch die Existenz der DDR und der anderen sozialistischen Ländern mußte die BRD bereit sein zu diesen sozialen Kompromissen. Es ging dabei um ihre Existenz: immer eine soziale Überlegenheit gegenüber dem Sozialismus vorzugaukeln.

Nicht umsonst begannen sofort nach der Okkupation der DDR in der BRD Reformen mit ganz anderem Charakter, die heute noch nicht abgeschlossen sind: die hart erkämpften sozialen Fortschritte wurden und werden Schritt für Schritt wieder abgebaut. Jetzt muß man nichts mehr vorgaukeln, jetzt kann man den wahren Charakter dieser sogenannten „sozialen“ Marktwirtschaft zeigen, jetzt läßt der Kapitalismus die Hosen runter und zeigt allen sozialen Errungenschaften den Stinkefinger. Er muß es auch tun, denn er muß objektiven Gesetzen gehorchen, um nicht von anderen überrannt, übervorteilt zu werden. Dazu sind alle Mittel recht – und hier können wir uns getrost auf die Worte von Marx und Lenin berufen, die haben heute dieselbe Gültigkeit wie vor 150 und 100 Jahren!

Das große Glück beim Abbau der sozialen Leistungen, beim Abbau des Lebensstandards, bei Beteiligung an Kriegen ist der Umstand: man kann sich berufen auf die DDR, die sei schuld daran! – zuviel Geld sei reingeflossen, um dort die Wirtschaft „wiederaufzubauen“, das Leben der Menschen zu verbessern und die Demokratie in ferne Länder wie Afghanistan zu bringen. Das alles koste ja viel Geld, deshalb muß jeder etwas zurückstecken. Das Verwunderliche daran ist, daß so viele Menschen diesen Lügenschleier zu lüften nicht in der Lage sind und dieses Lied mitsingen. Selbst linke Parteien stimmen allzu häufig in diese Melodie mit ein.

Auch hierfür gibt es Ursachen: Schulbildung und Studium haben von 1945 bis heute in der BRD hervorragende Arbeit geleistet: Sie zeichnen zum einen ein falsches Bild der DDR und des real existierten Sozialismus in Europa und tun alles, um die Bevölkerung politisch ungebildet zu lassen. Nur so läßt sich die Bevölkerung bereitwillig manipulieren, weil sie es nicht besser weiß.

Was mir immer wieder begegnet: Menschen, die zugeben, niemals vor 1989 in der DDR gewesen zu sein, die aber ganz genau wissen, wie schlecht wir dort gelebt haben. Ich, die ich in der DDR geboren und aufgewachsen bin, werde ausgelacht, ich hätte ja keine Ahnung – und man beginnt mir erzählen zu wollen, wie es wirklich gewesen war. Sobald ich mit der falschen Darstellung nicht einverstanden bin, werde ich in die „Stasi“ – Schublade gesteckt – das eigentliche und alles überragende Gespenst der DDR, das endlich besiegt wurde, wie legendäre Drachen im Mittelalter.

Dazu eine kurze Episode, weil sie so gut hierher paßt:

Ich hatte so um 1998/99 herum ein Vorstellungsgespräch im Liebherrwerk in Ehingen. Der Personalchef zeigte sich locker-gesprächig. Erzählte, daß sein Sohn in Dresden studiere und welche Ängste ihn dabei begleiten, sowie von derzeit schon im Werk arbeitetenden Menschen, denen irgendwann die Flucht aus der DDR gelungen war und die allesamt gute Arbeit leisten. Scheinbar beiläufig fragte er nochmal, wann ich in die alten Bundesländer kam. Er ging über vom Glück der Existenz des Internets, wo sich auch die Personalabteilungen aller Unternehmen schnell kurzschließen und austauschen könnten, zu schwärmen. Und dann kam er zum Kern: Wir Personalleiter großer Unternehmen sind uns in einem einig: Alles, was nach 1989 in die alten Bundesländer kam („alles“ – sind die Menschen, Arbeitskräfte) seien „stasibehaftet“ und für Unternehmen nicht tragbar.

Zum Gespenst „Staatssicherheit“ und zum Thema Geheimdienste überhaupt werde ich meine Gedanken zu einem anderem Zeitpunkt formulieren.

Solange also linke Parteien nicht in der Lage oder nicht gewillt sind, den wahren Ursachen auf den Grund zu gehen und vom Märchen einer sozialen Marktwirtschaft träumen, wird der soziale Abbau nicht nur in Deutschland rasant voranschreiten, werden immer neue Kriegsherde auf der Welt entstehen. „Marktwirtschaft“ = Kapitalismus, ist niemals sozial, wird er niemals sein, nein, kann er gar nicht sein. Wirklich linke Parteien kommen nicht umhin, den Kapitalismus zu überwinden auf ihre Fahnen zu schreiben. Das erfordert, sich von den Vorgaben des Grundgesetzes zu lösen, das ja gerade das unter Strafe stellt. Wirklich linke Parteien kommen also nicht umhin, außer der Marktwirtschaft auch das Grundgesetz abzuschaffen und durch ein neues zu ersetzen.

Der moderne Kapitalismus ist dazu übergegangen, Wünsche und Hoffnungen der Menschen nach Frieden, Wohlstand und Fortschritt aufzugreifen, deren Begriffe zu verwenden, ohne damit deren Inhalte zu meinen.  Davon lassen sich zu viele Menschen täuschen, ja betrügen.

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Bundesdeutsche Demonstrationsfreiheit

Samstag, 27. Februar 2010 14:16

Im Rückblick auf die Aktion „Dresden nazifrei!“ kamen mir zwangsläufig die Montagsdemos in der DDR in den Sinn, die in die Okkupation der DDR durch die BRD mündeten.

In Dresden kamen am  13.02.2010 rund 10.000 Menschen zusammen, die friedlich und erfolgreich das Marschieren der Nazis verhindern konnten.  Diese Gegendemo bezog sich nur auf das Nicht-Tolerieren eines Naziaufmarsches, wohlgemerkt, keine Kritik an Regierung oder Staat, kein Aufbegehren gegen den Abbau des Sozialstaates, kein Aufbegehren gegen den von Deutschland unterstützen Krieg in Afghanistan oder am kapitalistischen System überhaupt.

Trotzdem wurden die friedlichen Gegendemonstranten von bis über beide Ohren bewaffneten Polizisten eingekreist, von Hubschraubern überflogen und gefilmt, Wasserwerfer standen bereit, Pfefferspray-Pistolen wurden eigens im Schnellverfahren genehmig. Bis gegen 15:00 Uhr drohte die Situation zu eskalieren, mußten die Demonstranten Gewaltanwendung durch die Polizei befürchten. Dazu kam es zum Glück nicht. Jedoch wird heute gerade deswegen harsche Kritik am Polizeiverhalten geübt.

Wohlgemerkt: ich betone noch einmal: es ging nicht gegen die Regierung Merkel, nicht gegen das kapitalistische System, es ging lediglich gegen den Aufmarsch von Nazis!

Wie war das mit den Montagsdemos in der DDR? – Hier ging es den Demonstranten darum, die Politik der DDR in der Form nicht mehr zu dulden und Reformen einzufordern. Polizei und Kampfgruppen waren alarmiert, gingen aber nicht gegen Demonstranten vor. Einzig hat man anfangs, als es noch wenige waren, Demonstranten in Straßenbahnen gedrängt und sie so am demonstrieren gehindert. Es kam jedoch zu keinem Zeitpunkt zum Gewalteinsatz!

Nun stelle ich mir vor, in der BRD gingen montags immer mehr Menschen allerorts auf die Straßen, protestierten gegen schlechte Gehälter, gegen Krieg, gegen Sozialabbau, kämen dabei auf die Idee, daß ja der Staat, das System an sich das eigentliche Übel sei und forderten schließlich die Überwindung des Kapitalistimus selbst.

Was würde geschehen? Ganz sicher würde Polizei und gar Bundeswehr gegen die Demonstranten mit Waffengewalt vorgehen. Die Demonstrationen würden verboten werden, wären folglich gesetzwidrig. Das Grundgesetz selbst verbietet ja derartige Demonstrationen und organistionen, die sich gegen das Staatgefüge selbst richten. Also hätte man eine Handhabe, mit allen verfügbaren Mitteln, im Interesse und zum Schutz des Staates gegen die Demonstrationen vorzugehen.  Es gäbe ganz bestimmt nich nur eine paar wenige Verletzte. Denken wir nur an das harsche Vorgehen bei europäischen Sicherheitskonferenzen.

Ich kann mich nicht erinnern, daß auch nur eine Montagsdemo in der DDR beantragt und von Gericht genehmigt wurde. Die Menschen wollten Veränderungen und traten dafür ein – sie traten nicht ein für die deutsche Einheit, die Abschaffung der sozialistischen DDR, nein, sie wollten viele Dinge einfach wieder vom Kopf auf die Füße stellen. Der Ruf nach der Einheit Deutschlands wurde später durch andere Elemente in die Demos hineingetragen.

Stelle ich mir weiter vor: die DDR Sicherheitsorgane wären 1989 mit Gewalt und zum Schutz des Staates gegen die nicht genehmigten Demonstrationen vorgegangen – man kann sich auch ohne viel Phantasie ausmalen, welche Hetzkampagnen vom kapitalistischen System ausgegangen wären. Vermutlich wäre es zu einem europäischen Krieg eskaliert – aber das sind Spekulationen.

Genausowenig Phantasie brauche ich, mir das alles andersherum vorzustellen – es würde reichlich Blutvergießen geben, massenhaft Verletzte, Gefangene, Demonstranten auf den Anklagebänken, die Gerichte hätten Hochkonjunktur.

Schon die Tatsache allein, daß hierzulande jede Demonstration genehmigt werden muß und der Staat das Recht hat, nichtgenehmigte Demonstrationen mit Gewalt aufzulösen und friedliche Demonstranten zu Straftätern zu machen sagt doch genug aus.

Soviel, nur ein winzig kleines Beispiel, zum „Unrechtstaat DDR“ und „Rechtsstaat BRD“ .

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Gedanken zum Dresdner Erfolg

Donnerstag, 18. Februar 2010 12:29

Ich hatte einen Klassenlehrer, Herr Amme, der nicht nur geliebt, weil streng, war, der definierte uns mal den Begriff „Glück“ und meinte, glücklich ist ein Mensch erst, wenn es die gesellschaftlichen Prozesse erlauben. Solange es Leid und Unglück auf der Welt gibt, könne man nicht glücklich sein. Später, wir hatten 1977 ein Klassentreffen, fragte mich Wilfried, ein ehemaliger Mitschüler: „Petra, bist Du glücklich?“ Ich sagte spontan „Ja!“, hatte vor einem Jahr einem Sohn das Leben geschenkt, stand mit beiden Beinen im Berufsleben, hatte damals eine glückliche Ehe, und lachte. Er fragte nach: „Auch nach Ammes Definition?“.Das Unglück, die Kriege, das Leid, alles war damals so weit weg. Es war schlimm, ja, ich war ja auch damals politisch aktiv, aber es berührte mein Leben nicht unmittelbar – oder fehlte mir ganz einfach die politische Reife? Seit es die DDR nicht mehr gibt, denke ich immer wieder an diese Frage meines Mitschülers und begreife, was unser Lehrer damals meinte. Wir haben, trotz aller Probleme und Widersprüche, in der DDR ein sorgloses Leben führen können, ohne Existenzängste, ohne unmittelbare Bedrohung, anerkannt am Arbeitsplatz, Solidarverhalten der Menschen, uneigennützige gegenseitige Hilfe, Nachbarn, mit denen man sprach… Heute sind Krieg, Elend, Haß, Mißgunst, Egoismus so nahe gerückt und allgegenwärtig, daß sich die Definition „Glück“ meines Lehrers bewahrheitet. Es ist alles so nahe gerückt, daß ich befürchte, auch wir werden einen Krieg erleben müssen. Davor habe ich manchmal ganz unmittelbar Angst.

Dresden hat mir zweierlei vor Augen geführt: Bürgerbewegungen können Zeichen setzen:

  1. Bürgeraktivitäten wie diese in Dresden sind durchführbar, solange sie nicht die Grundlagen dieses Staates infrage stellen.
  2. Eine vereinte Linke kann einen groß geplanten Naziaufmarsch verhindern, kann die Polizei abhalten, gewaltsam vorzugehen.
  3. Eine vereinte Linke ist durchaus in der Lage Zeichen zu setzen.

ABER machen wir uns nichts vor:

  • Es gibt in Deutschland keine vereinte Linke! Es gibt immer mehr linke Gruppierungen, die das Trennende von anderen Linken hervorheben, anstatt das Verbindende, das Gemeinsame zu sehen. Einzelne Aktivitäten lassen sich gemeinsam vorbereiten und durchführen, danach geht man wieder getrennte Wege.
  • Es trafen in Dresden, in nur einer Stadt, linke Kräfte aus ganz Deustchland zusammen. Jede Gruppe für sich genommen, in der Gesamtheit Deutschland betrachtet, ist dennoch eine verschwindend kleine Minderheit.
  • Kaum eine links orientierte Partei / Gruppe verfügt über ein Programm mit ganz realistischen und notwendigen Tageszielen. Vielmehr geht es um theoretische Diskussionen; jeder erfindet für sich den Sozialismus bzw. eine bessere Gesllschaftsordnung neu und will sich von den anderen abheben, ja distanzieren.
  • Zu viele sich links nennende Parteien / Organisationen erkennen das Grundgesetz als Basis ihres Handelns an, glauben daran, in einem „Sozialstaat“ zu leben und wollen ihn nur erträglicher gestalten. Sie verstehen dabei nicht, daß dieser Staat objektiven Gesetzen folgen muß, die soziale Verbesserungen nicht zulassen, sondern das Gegenteil diktieren.
  • Diejenigen linken Kräfte, die das erkannt und sich auf ihre Fahnen geschrieben haben, sind zu wenige, als daß sie für das Finanz- und Wirtschaftkapital eine Gefahr darstellen könnten. – Wäre es anders, würden sie verboten und verfolgt.
  • Man kann dieses menschenverachtende System nicht über Reformen überwinden. Man kann derzeit keinen Staat aus dem Weltgefüge reißen, um den Sozialismus aufzubauen – zu groß ist die internationale Kraft der Gegenwehr, es käme unweigerlich zum Krieg. Wir werden gegenwärtig Zeugen davon, wie in Bolivien der gesellschaftliche Fortschritt mit allen Mitteln verhindert wird.
  • Ein gesellschaftlicher Umsturz in Deutschland steht lange nicht auf der Tagesordnung, dazu sind die linken Kräfte zu gespalten, dazu geht es zu vielen Menschen noch zu gut, als daß sie sich wachrütteln ließen.

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Haiti

Montag, 25. Januar 2010 11:43

In einer Phase des größten vorstellbaren menschlichen Leids schicken die USA bewaffnete Truppen nach Haiti. Genau, nachdem bekannt wurde, daß 2 der einflußreichsten Männer des Landes unter den Trümmern des Regierungspalastes begraben wurden. Soldaten der USA besetzten als erstens den zum Teil eingestürzten Regierungspalast.

Kein Opfer soll in Florida Schutz suchen. Flüchtlinge werden auf See abgefangen und sollen nach Guantanamo gebracht werden. Die USA planen, die Überlebenden komplett umzusiedeln, weiter ins Landesinnere.

Angesichts dessen, daß sich in den Ländern Südamerikas Unruhen ausbreiten, Bolivien und Venezuela schon einen eigenen Weg beschreiten, Kuba in der Nähe ist, werden die USA an der Küstenregion keine Wohnhäuser neu aufbauen, sondern eine Militärbasis errichten für Kurz- und Mittelstreckenraketen. Sie werden präsent sein, um den Prozeß des Fortschritts in Bolivien und Venezuela umzukehren, Unruhen in anderen Ländern Südamerikas von vornherein niederzuschlagen  und gleichzeitig kann man vorerst Drohgebärden Richtung Kuba senden, bevor die USA auch dort zuschlagen werden.

Kann man eigentlich ein Erdbeben geziel auslösen? – Die Kürze des Bebens, Nachbarregionen ohne geringe Erschütterungen, nicht mal Wasser „schwappte“ auf den Kontinent und die sofortige militärische Präsens ließen mich daran denken, daß es „made by USA“ war.

Mit einer Dreistigkeit walten und schalten die USA mittlerweile überall auf der Welt nach belieben, niemand, der ihnen Einhalt gebietet.

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Wieder GDL

Mittwoch, 22. Juli 2009 15:24

Hier hatte ich meine Skepsis gegenüber der Tochtergeburt aufgeschrieben.

Inzwischen entwickeln sich die Prozesse weiter. Da wird die S-Bahn in Berlin beinahe nur noch „Ehrenrunden“ drehen und die Güterbahnstrecke wird auf eine OP vorbereitet.

Dann kommt, was kommen muß: Viele der Lokführer werden nicht mehr gebraucht. Wie wäre es, wenn man sich einfach von der ungewollten Tochter trennt und sie von dannen schickt?

Man sollte doch wirklich viel vorausschauender handeln und sich von solchen Niederkünften nicht beeindruckt zeigen.

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Es tut immer wieder weh!

Donnerstag, 14. Februar 2008 14:51

In letzter Zeit wird es immer seltener, daß geeignete Arbeitsstellen ausgeschrieben sind. Außerdem hatte ich nach jahrelangem erfolglosen Bewerben deutschlandweit (es waren mitunter in der Woche 12 Bewerbungen) so starke Depressionen mit einem Suizidversuch, daß ich lange Zeit nicht in der Lage war, mich irgendwo zu bewerben. Tagelang saß ich zu Hause , habe nur vor mich hin geheult und verfiel sogar oft in Selbstmitleid.

Vor ein paar Monaten raffte ich mich wieder mal auf. Iwonne hatte mir 3 Stellenanzeigen gemailt bzw. telefonisch durchgegeben – in Freiberg / Sachsen, in Filderstadt, die dritte auch irgendwo im Stuttgarter Raum. Nein, ich erhielt nicht einmal Antworten auf meine Bewerbungen, nichts.

Vor 2 Tagen sah ich wieder eine Anzeige in der Zeitung – mehrere IT-Systemtechniker, IT-Netzwerkingenieure, IT-Administratoren werden von RSC Consult, 82223 Eichenau, gesucht. Ich rief dort an, sagte als erstes:, daß ich 54 Jahre alt bin und daß ich mich gern auf die ausgeschriebenen Stellen bewerben möchte. Aber natürlich, nein, altersmäßige Begrenzung gibt es nicht. Herr Schwalb war sehr freundlich. Dann zählte ich ihm meine Qualifizierungen auf, meine Ausbildung, was ich bisher gearbeitet habe. Ja, schicken Sie Ihre Unterlagen. Voll Hoffnung tat ich das. Ich solle die Unterlagen per e-Mail senden, Einsatzort würde Ulm sein. Ein paar Stunden später fragte ich an, ob meine e-Mail eingegangen sei. Auf einmal war der freundliche Herr Schwalb gar nicht mehr freundlich – er sitze nicht den ganzen Tag am Rechner und lauere auf e-Mails. Und kurz darauf bekam ich eine Absage, ganz pauschal, wie man sie immer erhält… Ich schrieb, daß mir die pauschale Absage nicht genüge und ich schon nähere Gründe wissen möchte. – Nichts, keine Antwort. Ich konnte es mir daraufhin nicht verkneifen, dem Herrn Schwalb zu wünschen, daß er, wenn er ín meinem Alter sei, ebenso chancenlos dastehen solle. Wozu rufe ich vorher an, frage nach, erhalte positive Antwort, schöpfe wieder einmal Hoffnung, um noch am selben Tag doch wieder abgewiesen zu werden? Man wolle meine Unterlagen behalten und gegebenenfalls vermitteln. Das lehnte ich ab, weil ich kein Vertrauen in diese Vermittler habe.

Es ist unbeschreiblich, wie sehr mich diese letzten vergeblichen Bewerbungen wieder in ein tiefes seelisches Loch gestürzt haben. Ich werde mich wohl niemals damit abfinden, mein Dasein zu Hause zu fristen. Da werden doch überall angeblich qualifizierte Fachkräfte gesucht! Jedoch keine Frauen, die 54 Jahre als sind und noch dazu auf der „falschen“ Seite Deutschlands geboren wurden, studierten und arbeiteten. Ich fühle mich als Frau und Ostdeutsche diskriminiert. Das Unrecht schreit zum Himmel, wenn kümmert es? Stattdessen hört man in den Medien, Arbeitslose seien nur zu faul zu arbeiten und seien Schmarotzer, leben auf Kosten der Gesellschaft. Das ist zum KOTZEN!

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Klassentreffen…

Montag, 24. September 2007 11:55

…und eine tränenreiche Heimfahrt. Abiturklasse Abschluß 1972. Ich habe es gewußt – bzw. geahnt, aber ich hatte doch einen Funken Hoffnung, deshalb fahre ich die 515 km nach Halle und dieselbe Strecke zurück. Auf dem Hinweg von Anfang an Stau und schleppendes Vorankommen. Wer plant ein Klassentreffen am Ferienende? Zu allem Übel fühle ich mich bereits über eine Woche krank, Husten, Kopfschmerzen, etwas Schnupfen, Fieber… eigentlich hätte ich mich ins Bett legen sollen anstatt eine solche Tour auf mich zu nehmen. Annekathrin sagte mir: „Dein Körper wehrt sich gegen diese Fahrt; Du solltest auf deinen Körper hören.“. Ich hörte nicht auf ihn…

Ausgewählt war am Samstag ein gutes Restaurant fast im Zentrum von Halle. Ab 18:00 Uhr war für uns reserviert. Kaum lohnend für so eine kurze Zeit die dreifachre Wegzeit inkauf zu nehmen.

Ein recht kleines Grüppchen sitzt an einer langen Tafel, als ich komme. Ein paar ehemalige Klassenkameraden hatten leider abgesagt. Natürlich setze ich mich zu I. und T.. Mit I. teilte ich einst die Schulbank, und wir verstehen und bis heute gut. Weiß der Kuckuck, wie es einige geschafft hatten, aber nach der Wende begann für sie die Karriere, saßen zu DDR-Zeiten in zweiter und dritter Position. Für mich ging nach der Wende die Karriere zuende, denn ich biederte mich nicht an für „Staatsdienste“. Als mir 1992 eine Stelle im Finanzministerium Magdeburg angeboten wurde, lehnte ich mit den Worten: „Ich – Diener dieses Staates? – Niemals!“ ab.

S., die diesen Satz irgendwann einmal mir gegenüber formulierte, tauschte ihre Gesinnung gegen einen Leitungsposten bei einer Versicherung ein. Sie hatte nach dem Abi in Jena Philosophie studiert, dann ein Studium an der Parteihochschule und anschließend an der Parteihochschule promoviert. Als sie 1990/91 nicht mehr an der Uni lehren durfte, wie so viele unserer DDR-Dozenten, schwang sie die rote Fahne noch sehr hoch, wir saßen oft zusammen und tauschten unsere Gedanken zum Thema Einverleibung der DDR und daraus resultierende Folgen. Damals waren wir uns immer näher gekommen. Als man ihr 1992 bei der Versicherung einen leitenden Posten anbot, hängte sie mit Postenübernahme ihre einstige Einstellung an den Nagel. Von Stund an schwang sie Reden, wie arbeitsscheu doch die Angestellten seien, kein Gefühl für Gewinn und für gute Geschäfte hätten sie und sie müsse sich um vieles selbst kümmern, damit die großen Fische ihr – natürlich der Versicherung! – nicht durch die Lappen gingen. Wie schnell sie sich doch mit diesem System identifizierte. Ein anderes Gesprächsthema gab es kaum, wenn wir uns sahen. Oh doch: niemals läßt S. es unerwähnt, daß sie sich in der gehobeneren Gesellschaft sehen lassen „müsse“ – sie sei ja so beschäftigt außerhalb der Arbeitszeit, durch Empfänge und sonstige Veranstaltungen. Sie müsse ja etwas für ihr Ansehen tun. Man kennt sie in Halle und sie müsse ihren Verpflichtungen nachkommen, das sei wichtig für’s Geschäft. Bereits vor ein paar Jahren brach ich schweren Herzens den Kontakt zu S. ab. Es tat mir weh, diese Freundschaft aufzugeben. Noch mehr tat es aber weh, diese Metamorphose mit anzusehen. Ich schickte ihr eine letzte e-Mail, wo ich ihr meine Gründe mitteilte, die sie nie recht verstand. Warum eigentlich? Sie muß sich ja über andere Dinge mehr den Kopf zerbrechen – über die Motivation der ihr Untergebenen, daß sie genug Gewinn einbringen, der sich letztlich in ihrem Portemonnaie niederschlüge, über die richtige Garderobe zum nächsten Anlaß, in welchem Restaurant sie sich wieder sehen lassen müsse und welches Event sie auf keinen Fall auslassen dürfe. Ähnliche Gespräche führte S. auch an diesem Wochenende.

E., der nach der Wende bei der Treuhand den Untergang der ehemaligen DDR Betriebe mitorganisierte und dort mit seinen Gutachten ehemalige DDR – Betriebe, u.a. auch Robotron, abzuwickeln half, hatte einst sozialistische Planwirtschaft studiert. Beste Voraussetzungen, den Untergang selbst gewinnbringender Betriebe wie Robotron zu planen. – Gelernt ist eben gelernt. Wenn ich weiß, wie man die Volkswirtschaft plant, weiß ich auch, wie man sie verplant – verscherbelt. Und weil er seine Gutachten ohne jegliche Skrupel im Sinne seiner neuen Herren ausführte, darf er heute direkt für einen Wirtschaftsminister zuarbeiten. Das monatlich auf dem Konto eingehende Geld stimmt bestens – pfeif auf eine Gesinnung, von der man nicht mehr leben kann. Sie war früher vonnutzen, heute sehr, sehr störend. Am besten man redet gar nicht darüber und wenn doch, dann tut man es lachend als jugendliche Dummheit ab. Oder, was auch gut ist: für die Karriere mußte man ja so tun, als stünde man zur DDR.

T. ist er selbst geblieben – zwar hat auch er einen Posten abbekommen, hat aber nicht den kritsichen Blick auf gesellschaftliche Prozesse verloren und engagiert sich, wo es machbar ist, wie in manchen Bürgeinitiativen. T. hatte Landwirtschaft studiert und verwaltet jetzt die Computer der Behörde. Fachkräfte wie ich, die die meiste Zeit des Lebens mit Computern gearbeitet und andere gelehrt haben, sich stetig qualifizierten, Zertifikate erwarben, sind arbeitslos, damit Quereinsteiger deren Arbeit übernehmen… Eine verrückte Welt.

I., schon zu DDR – Zeiten ein erfolgreicher Physiker, ist seit der Wende sehr erfolgreich selbständig. Er prahlt nicht und ist geblieben, der er schon immer war. Naja, ein klein wenig muß man bei der Konkurrenz wenigstens durchblicken lassen, wie gut es einem geht. Das sei gestattet….

R. ist sehr ruhig geworden, seit Magdeburgs Presse nicht mehr über ihre Garderobe, speziell ihre Hüte, zum letzten Pferderennen berichtet. Der Konsum, in dem sie als Frau Vorstandsmitglied war, ist vor ein paar Jahren auch abgewickelt worden. Bis zuletzt hat sie für ihre Angestellten gekämpft; sie wollte für jeden einen Arbeitsplatz finden, was nicht möglich war und hat, wie sie mir erzählte, oft um die Mitarbeiter geweint. Mit dem Konsum war auch R. abgewickelt. Als wir uns das letzte Mal sprachen, sagte sie mir, sie genieße die Zeit ohne den Streß und ist nicht unglücklich, ohne Arbeit zu sein. Ich habe es ihr nicht ganz gelglaubt, aber auch wieder verstanden. Ob sie jetzt wieder arbeitet, weiß ich nicht. Ich habe sie nicht gefragt. Wie gesagt, sie ist sehr ruhig geworden oder hatte nicht einen der guten Tage. Auf mich wirkte sie irgendwie unglücklich.
Wenn ich R. ansehe, denke ich spontan an einen ihrer Geburtstage vor ein paar Jahren, zu dem ich auch eingeladen war. Wir feierten rein, blieben also die halbe Nacht munter bis 1:00 Uhr. Wir überreichten unsere Geschenke, einzelne davon waren ihr keines Blickes würdig – dann sagte sie zu K.: „Und, schenkst du mir nichts?“. Ich hatte R. immer als ruhige, bescheidene und liebenswerte Mitschülerin, dann als Frau gekannt; diese Art an ihr kannte ich bis dahin noch nicht. K. brachte das Geschenk – ein sauteures Kostüm aus irgendeiner namhaften Boutique, das ihrem kritischen Blick bestehen mußte. Keine Freude brachte ein Lächeln auf ihr Gesicht, keine Geste, kein „Danke“… Diese Momente empfand ich als sehr unangenehm – eine Frau, die alles hat und der man kaum noch eine Freude machen kann…
K., ihr Mann, ist auch angekommen im vereinigten Deutschland. Er war, wie R., noch nie ein politischer Mensch. Zumindest nach außen. Man findet sich überall zurecht, muß nur die Windrichtung im Auge behalten. Wichtig ist, daß man immer ein Stück vom Schinken abbekommt. Seine Arbeit kann er immer tun, was er denkt, gibt er niemals preis. – Das hat schon zu DDR-Zeiten geklappt.

Das Gespräch läuft an: welche Tanzveranstaltungen in den Klassen 10 bis 12 besucht wurden, welche Erlebnisse man hatte. Wohin man in welchen Ferien mit wem verreist war. Jemand schaut mich an: „Weißt Du noch, Petra?!“ – „Ich war wohl nicht in dieser Klasse.“ sage ich traurig. Keiner wußte um meine Kindheit. Ich erkläre, daß ich zu Hause nur eingesperrt wurde, niergendwohin durfte und für alles Mögliche geprügelt wurde. Vom Betatscht werden und beinahe täglichen Erniedrigungen spreche ich nicht, auch nicht, daß dieser Mann meiner Schwester und mir ständig vorwarf, daß wir nicht seine Kinder waren. Ich hatte Angst, nach Hause und war glücklich frühmorgens zur Schule zu gehen. Am Anfang saß ich oft im Uterricht und wünschte, mein leiblicher Vater käme und nähme mich mit. Aber der durfte uns nicht besuchen, ich habe ihn, als ich 4 Jahre war, das letzte Mal gesehen. Weil ich schon mit 4 Jahren lesen und schreiben konnte, schrieb ich ihm Briefe und Postkarten und wunderte mich, daß Antworten ausblieben. Wie sollte ich ahnen, daß meine Post gar nich auf Reisen ging. Meine Mutter versteckte und vernichtete sie, daß sie ihr neuer Mann niemals fände. Ich hatte in diesem Alter zu meiner Schwester gesagt: „Unser anderer Papa war viel lieber.“, was sie sofort weitererzählte. Dafür bekam ich Schläge. Ich sage in die Runde: „Keinem von Euch war es je aufgefallen, daß ich nicht dabei war.“ – „Warum hast Du nie darüber gesprochen?“ – „Weil ich Angst hatte und mich schämte.“ Ich ringe mit den Tränen und erwähne noch, daß meine Mutter heute noch, wo mein Stiefvater schon ein paar Jahre tot ist, nichts davon wissen will und dieses Thema abwehrt oder es mit „Das stimmt doch gar nicht!“ oder „Er wollte doch immer nur Euer Bestes.“ nicht wahrhaben will. Da bin ich 53 Jahre und die Kindheit hängt mir so stark an, daß es immernoch so sehr schmerzt, mich Alpträume verfolgen, ich auf bestimmte Situationen für andere völlig unverständlich reagiere und ich darüber noch heute in Tränen ausbreche.

In unserer Ecke, wo ich sitze, erzählt man sich von beliebten Urlaubszielen. Ich erwähne, daß ich keine Lust verspüre, in andere Länder zu reisen, mir dort Luxus bieten zu lassen und die Armut , das Elend der Einheimischen zu sehen, daß ich dann Gewissenskonflikte bekomme, wie 1992 in Tunesien. Daß es uns in Europa vergleichsweise besser geht, ist doch nur auf Kosten dieser anderen Länder. – Nein, so sei das wahrlich nicht. Da sind sich E. und I. einig. I. erklärt es mir: „Die Menschen sind in ihrer Armut doch viel glücklicher als wir mit unsererm Wohlstand.“ Na da muß ich mal in aller Ruhe drüber nachdenken…

Über die anderen kann ich nur wenig schreiben, weil ich, bedingt durch meine starke Erkältung, auf meinem Platz sitzen blieb und die Gespräche am anderen Ende des Tisches nicht mitbekam. Ich ließ es mir nicht nehmen, die in meiner Nähe Sitzenden zu fragen: „Ihr alle seid also angekommen in dieser Gesellschaft?“. Wie kommt es – denn wir waren doch früher allesamt auf einer Linie, politisch aktiv, hatten eine Haltung, eine Überzeugung – nichts davon mehr da? Zunächst Schweigen, unsicheres Lächeln. Dann der Spruch, den ich nicht mehr hören kann: „Wir waren doch wirklich eigesperrt in der DDR.“ sagt E.. „Es hat nicht funktioniert, man muß ein besseres Leben über Reformen und Wahlen anstreben. Die „Diktatur des Proletariates“ hat sich als falsch herausgestellt.“ Ist das wirklich E., der das von sich gibt? Ich sage, sie dürften nicht von sich ausgehen… was nützt die Freiheit, wenn sich immer mehr Menschen keine Reisen leisten können, weil sie mehr darüber nachdenken müssen, wie sie den nächsten Tag finanzieren können. Jetzt darf man zwar Reisen, kann es sich aber nicht leisten. – Ihr dürft doch nicht nur Euch selbst sehen, die Ihr Euch alles leisten könnt. Denkt Ihr nicht auch mal an die Menschen neben Euch, die manchmal nicht wissen, wie sie satt werden?“ – „Höre doch mit diesem Spruch auf!“ sagt E.. Das ist kein Spruch, das ist Realität! – Ich lasse nicht nach: Die „Reformen“, die den Lebenstandart immer mehr abbauen, sind doch nur möglich, weil das sozialistische Lager zusammengebrochen ist. Jetzt kann man die Hosen runter~ und ungehemmt den Kapitalismus „blühen“ lassen. – Wenn ich etwas ändern wolle, solle ich es doch tun, solle mir eine Plattform dafür suchen. Auch den Lafontain lege mir E. nahe, das wäre doch vielleicht der Mann! – Nein, es ist doch traurig, daß ein Lafontain links von der PDS steht, wende ich ein. Und da ich die Zeit sehr wohl einschätzen könne, daß die Menschen überhaupt nicht bereit sind, etwas zu tun. Sie plappern meist gedankenlos nach, was ihnen die Medien vorgeben, weil sie es nicht besser wissen. Ich könnte doch aber erwarten, daß meine Klassenameraden, die über die gleiche Bildung wie ich verfügen, die Gesellschaft schon kritisch zu betrachten in der Lage sind. Und schon bezeichnet mich E. als „Betonkopf“. Als ich dann noch sage, daß die Wende von langer Hand vorbereitet war, meint er – das sei ja Blödsinn! – Jetzt führt er gar Stalin an, der vielleicht, man könne es ja nicht wissen, die Wiedervereinigung schon 1945 für 1990 vereinbart habe? Das waren keine Geheimdienste, die Gelder in Millionen- oder Milliardenhöhe fließen ließen. Nein, es ist keine Dummheit von E., es ist Frechheit – er steht tatsächlich mit beiden Beinen in dem Morast dieser Gesellschaft, der für ihn offensichtlich nicht stinkt, sondern einem Wellnessbad gleicht. Zum Schluß setzt E. noch einen drauf: „Es ist wirklich schlimm, was derzeit in Israel und im Irak los ist.“ ‚Ein Hoffnungsschimmer‘ denke ich erfreut, greife das Thema auf – aber Nein! – Schlimm sind nicht die Amerikaner oder die Israeli, schlimm sind die Selbstmordattentäter, die Spaltung und Unruhen zwischen den Glaubensgruppen. Schade…, nein beschämend für einen doch gut gebildeten Menschen. Die anderen, die drum herum sitzen, schweigen. Zweimal vertritt wenigstens T. meine Meinung, R., der Lehrer, wiegt, wie man ihn kennt, lächend und nachdenklich seinen Kopf. Als ich dann noch die „Junge Welt“ erwähnte die lesenswert ist, habe ich vollends „verloren“ (?). Dann setzen sich die meisten etwas weiter vor zu den anderen. Gespräche wie meine machen die Stühle unbequem. Was geht uns die Armut oder Chancenlosigkeit der anderen an? Reden wir doch über die angenhemen Dinge des Lebens – wo waren wir im letzten Jahr im Urlaub? – In Bali. Ja, die Maledieven sind auch wunderschön und für Neuseeland müssen wir das nächste Mal mehr Zeit einplanen…

X. setzt sich zu mir und bringt das Thema auf meine geliebten Hunde. Naja, nun, weit weg von Politik, kann man ja wieder mit Petra reden. – Wie groß sind die Hunde? Was fressen die? Nein, soche Hunde kennen wir nicht. Man ist erleichtert, daß das Unangenheme überstanden ist. Schade, daß Du keinen mitgebracht hast. Gut, das nächste Mal vielleicht. Wenn ich noch einmal kommen sollte.

Es ist inzwischen 0:00 Uhr, wir brechen auf. T. nimmt mich und I. mit dem Auto mit, so brauche ich kein Taxi zu bestellen. S. müsse am Sonntag unbedingt auf dem Markt mit dem zum Salzfest aufgebauten Riesenrad fahren. Ob die Mitteldeutsche Zeitung wohl darüber berichten wird?

Um es klarzustellen: ich gönne jedem eine gute Arbeit. Was ich jedoch nicht verstehe, daß man 40 Jahre seines Lebens eine Weltanschauung vertritt und diese urplötzlich ablegt wie ein zerrissenes Kleidungsstück. Für ein solches Verhalten empfinde ich nur Verachtung. Auch ich hatte nach der Wende Arbeit für die ich mich engagierte. Ich blieb immer ich, habe mich nicht „gewandelt“, weil meine Weltanschauung ehrlich ist. Ich habe keinen Grund diese zu verbergen. Auch wenn ich persönlich keine Not zu leiden habe, weil mein Mann gut verdient, sehe ich doch sehr genau, was auf dieser Welt und in Deutschland vor sich geht: sozialer Kahlschlag, Kriege, Arbeit, von deren Einkommen immer mehr Menschen nicht mehr leben können…

(Alle Namen habe ich durch beliebige Buchstaben ersetzt.)

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